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Peter Mannsdorff

Wind um Willi

120 Seiten, Hardcover
Illustration: Rainer M. Osinger
ISBN 978-3-936156-28-7
11,70 EUR
ab 12 Jahren

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Lydia lebt mit ihrer Mutter in einer Berliner WG. Ihr Alltag ist alles andere als eintönig, denn die drei erwachsenen Mitbewohner Lotte, Frauke und Jonathan sind sehr eigene, liebenswerte Persönlichkeiten mit ausgeprägten Macken. Das ist manchmal urkomisch, bisweilen aber auch recht nervig. Noch turbulenter wird es, als Mareike mit ihrem kleinen Sohn Willi einzieht. Der möchte sich am liebsten wie eine Klette an Lydia hängen, aber die will das nicht. Sie denkt viel lieber an Theo, in den sie sehr verliebt ist.
Eines Abends geschieht etwas, das bei allen die Alarmglocken schrillen lässt – Willi ist weg!!
Wie konnte das geschehen? Wo ist das Kind? Hat sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt oder wurde der Junge vielleicht sogar entführt...? Die WG-Bewohner beschließen sofort, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Auch Theo schaltet sich ein und nun beginnt das aufregendste Abenteuer, das Lydia je erlebt hat...

Die spannende und sehr witzig erzählte Geschichte überrascht mit immer neuen Wendungen. Eine heiße Spur nach der anderen wird verfolgt und die WG-Truppe entwickelt sich zum Super-Team.
Ein echter Krimi – und ein Kinder- und Jugendroman, der mit einer riesengroßen Portion Humor Verständnis weckt für Menschen, die ein bisschen „anders“ sind.
„...die Geschichte ist spannend erzählt. Ein Kinder- und Jugendroman, der einen guten Einblick in die Welt von Menschen gibt, die ein bisschen ‚anders‘ sind.
Sehr lesenswert, auch für Erwachsene...“
- Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V.

Leseprobe aus dem Buch "Wind um Willi"

„Und wenn Jonathan mit dir geht?“
Willi zieht eine Schnute. „Der ist noch nicht da.“
Theo flüstert mir ins Ohr: „Wenn du es ihm verbietest, haben wir ihn an der Backe.“
„Da hast du auch wieder Recht. Ach was, es wird der Schauspieler aus dem Nebenhaus sein.“ Zu Willi rufe ich: „Gut, geh zum Osterhasen, aber wenn es dunkel wird, kommst du hoch, aber nicht zu uns. Du gehst zu deiner Mutti und dort klopfst du solange, bis sie dir aufmacht. Hast du das verstanden?“
Willi nickt.
„Dann geh schnell und lass uns jetzt wenigstens für fünf Minuten in Ruhe.“
Fünf Minuten Ruhe haben wir wirklich, sogar großzügige zehn. Aber dann hören wir, wie im Flur jemand die Treppe hochpoltert. Mareike stürzt ins Zimmer.
„Ist Willi bei euch? Ich weiß genau, dass er bei euch ist.“
„Macke?“, rege ich mich auf. „Der spielt im Hof.“
Hysterisch kreischt sie: „Da ist er nicht! Ihr habt ihn zuletzt gesehen! Ihr müsst wissen, wo er ist! Lydia, du hast versprochen, dich um ihn zu kümmern. Wenn Willi nun etwas zugestoßen ist! Nur weil du...“
Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich schieße zurück: „Nie kümmerst du dich um ihn! Immer schickst du ihn zu mir. Und jetzt soll ich schuld sein, dass er verschwunden ist?“
„Könnt ihr nicht ein bisschen leiser sein!“, schreit Frauke von unten.
Lotte kommt hochgestürmt, sie ist gerade beim Putzen, den Staubwedel hält sie in der Hand. „Was ist denn hier los?“ Als sie begriffen hat, dass etwas Ernstes passiert ist, legt sie die Putzsachen beiseite. „Es ist doch egal, wer Schuld hat. Wir müssen Willi suchen. Los, alle Mann runter.“
Wir trampeln die Wendeltreppe hinunter. Frauke nehmen wir ins Schlepptau, dann stürzen wir runter. Auf dem Hof rufen wir alle nach Willi. Mareike am lautesten…


Von Willi keine Spur. Der Spielplatz liegt verlassen da. Er sieht aus, als ob noch nie Kinder hier gespielt hätten – am wenigsten Willi. Mit Willi sind für Mareike alle Kinder der Welt verschwunden. Sie steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch und stößt schrille Schreie aus.
„Wiiillii!!!“ Immer wieder: „Wiiillii!“
Unberührt der Sand, die Regenhaut von heute Nachmittag ist noch nicht von frischen Spuren durchwühlt. Seit dem Gewitter hat noch niemand den Sandkasten betreten.
„Vielleicht im Müllraum!“, fällt Mareike in ihrer Verzweiflung ein. Verrückter Einfall! Was soll ein Fünfjähriger auf dem Müll?
Sie spricht den schrecklichen Gedanken direkt aus. „Er wurde entführt!“ Sie hat Tränen in den Augen, als sie das sagt, kann sich kaum beruhigen. Und was der Hammer ist, immer wieder beschuldigt sie mich. „Das ist allein deine Schuld, wenn ihm etwas passiert ist.“
„Davon kommt er auch nicht zurück!“, sagt Lotte. In ihrem lila Maxikleid sieht sie eher aus, als würde sie ins Theater gehen als auf die Suche nach einem fünfjährigen Jungen.
Verschwunden hin – verschwunden her. Es ist unwahrscheinlich, dass sich ein Fremder hier herumgetrieben hat. Sicher war es der Schauspieler aus dem Seitenflügel, der sich in einem Hasenkostüm einen Spaß mit Willi erlaubt hat. Der Steiner macht doch manchmal solchen Quatsch mit den Kids.
Entführt! Dass ich nicht lache! Wir leben hier nicht im Wilden Westen, sondern mitten in Berlin. Ich sage es Lotte offen ins Gesicht: „Du siehst zu viele Krimis!“
„Sag mal, Kind“, fährt sie mich an. „Wie weltfremd bist du eigentlich? Jeden Tag in Deutschland, in Berlin, überall auf der Welt werden Kinder entführt – und da sagst du, ich sehe zu viele Krimis!“
„Kann ja alles sein“, erwidere ich, „aber er wird oben beim alten Steiner sein.“
Überredet! Wir poltern die drei Treppen hoch und klingeln beim Schauspieler. Zunächst tut sich nichts, aber dann hören wir dumpfe Schritte hinter der Tür. „Wer da?“
„Wir sind es. Die von der Wohngemeinschaft. Ist zufällig Willi bei Ihnen?“
Der Alte öffnet die Tür einen Spalt. „Der Willi? Nein, der ist hier nicht.“
Mareike bricht auf den Stufen zusammen. Die Arme. Sie ist total fertig. Sie schluchzt, ihr Körper bebt, immer wieder wimmert sie: „Er war mein Ein und Alles! Lydia, das ist allein deine Schuld, wenn er jetzt weg ist! Du hast ihm erlaubt, unten zu spielen.“
Theo zeigt Mareike einen Vogel. „Lass meine Braut in Ruhe! Hättest ja besser auf dein Ein und Alles aufpassen können!“
Auch meine Mutter setzt sich für mich ein: „Eine Frechheit, meine Tochter zu beschuldigen! Noch ein Wort und ich werde dich beim Jugendamt wegen Verletzung der Aufsichtspflicht melden.“
Das Stichwort! Frauke schlägt vor, den Fall schleunigst der Polizei zu melden. „Das hätten wir längst tun sollen“, sagt sie mit scharfer Stimme. Mit ihrer blassen Gesichtsfarbe und dem dunklen Lippenstift sieht sie in dem schummrigen Treppenflur aus wie ein Grufti.
Die anderen sind einverstanden. Die Polizei, dein Freund und Helfer…
Fast erleichtert, in der Hoffnung, dass der Fall bald aufgeklärt wird, gehen wir zurück in den Hinterhof, nur ich habe bange Vorahnungen. Was, wenn die Bullen auch meinen, dass ich schuld an Willis Verschwinden bin?
Frauke ist schon dabei, die 110 ins Handy zu tippen, da sage ich: „Warte mal!“ und suche auf eigene Faust in der Tordurchfahrt nach Spuren. Dort sollten wir erst einmal nachgucken, denn dort soll der Hase schließlich seine Faxen gemacht haben. Vielleicht ist die Sache ganz einfach und Willi kauert in einer Ecke und weint still vor sich hin, weil sein Teddy krank ist.
Das wäre echt geil.
Aber wenn es sich nun doch um eine Entführung handelt? Komm ich dann ins Kittchen? Ich meine, Mareike hat Recht: Ich war es doch, die dem Jungen erlaubt hat, im Hof zu spielen. Nur, weil ich mit Theo allein sein wollte. Mist! Wenn es jetzt Ärger gibt! Die Polizei wird kommen und mich als Erstes festnehmen. Theo vielleicht gleich mit. Dann sitzen wir – jeder für sich – bei Trockenbrot in einer Einzelzelle und sehen uns einmal täglich beim Hofrundgang. Echt beschissen! Und alles nur wegen Mareike!
Stockdunkel ist es in der Durchfahrt. Willi hat sich hier nicht verkrochen, aber weiter hinten schimmert etwas Weißes im Schein des hereinfallenden Laternenlichts. Ich bücke mich und hebe ein maschinenbeschriebenes Blatt Papier auf. Mir bleibt das Herz fast stehen. Mein erster Gedanke: „Tatsächlich eine Entführung!“
Mit dem Zettel renne ich zu den anderen unter die Laterne. „Hier steht etwas!“
Die Spannung ist knisternd wie ein Hochspannungsdraht. Der erste Hinweis, der vielleicht zu Willi führen wird.
Lotte putzt ihre Brille und liest: WOLLT IHR WILLI WIEDERSEHEN, ZAHLT BIS SONNTAGABEND 1000 EURO LÖSEGELD! Und als Nachsatz: WENN IHR WOLLT, DASS DEM JUNGEN NICHTS PASSIERT, LASST DIE POLIZEI AUS DEM SPIEL.


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